KN:IX Impulsprojekt für Islamismusprävention (2024)

Islamischer Staat Provinz Khorasan (ISPK): Hintergrund, Entwicklung und Bedeutung für Deutschland

Kompetenznetzwerk „Islamistischer Extremismus”

BAG RelEx, Violence Prevention Network & Ufuq 


Zusammen mit Muska Haqiqat von der Universität zu Köln 

 
In den letzten Jahren lag in Deutschland, abseits von sicherheitsbehördlichen Kreisen, wenig Fokus auf jihadistischen Bestrebungen und der Organisation des sogenannten „Islamischen Staats“ (IS). In jüngster Vergangenheit ist dieser jedoch wieder verstärkt in das Blickfeld der Fachöffentlichkeit geraten. Insbesondere der sogenannte „Islamische Staat“ in Afghanistan (auch genannt IS Provinz Khorasan oder ISPK) hat innerhalb der globalen Struktur des IS in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Spätestens seit dessen Anschlag auf eine Konzerthalle in der Nähe von Moskau im März 2024 ist der ISPK auch in den Fokus einer breiteren Öffentlichkeit geraten. 

Die Aktivitäten dieses IS-Ablegers stellen nicht nur außerhalb Deutschlands eine relevante Entwicklung dar, mitunter wird der ISPK sogar als die größte Bedrohung für Deutschland aus dem islamistischen Spektrum benannt. Während der ISPK früher seine Aktivitäten auf Afghanistan beschränkte, ruft er seit einiger Zeit, verstärkt jedoch seit der erneuten Eskalation des Nahostkonflikts nach dem 7. Oktober 2023, dazu auf, Anschläge auch in Nachbarstaaten sowie im Westen durchzuführen. Diese Aufrufe fanden auch in Deutschland bereits Resonanz, dies zeigt sich nicht zuletzt durch Festnahmen wegen Unterstützung des ISPK im Jahr 2023.

Internationale Entwicklungen beeinflussen immer auch die lokalen Bedingungen für Präventionsarbeit. Bei Bedarfsabfragen des KN:IX wurde der Wunsch von Fachkräften artikuliert, Informationen zu relevanten, aktuellen Entwicklungen im Phänomenbereich Islamismus sowie Wissen zu unterschiedlichen Ausprägungen des Islamismus zu erhalten. Das KN:IX Impulsprojekt soll daher für die Fachpraxis und erweiterte Fachöffentlichkeit relevantes Hintergrundwissen zum ISPK prägnant aufbereiten und vermitteln. 

Das Kompetenznetzwerk “Islamistischer Extremismus" vereint etablierte Akteure der universellen (ufuq.de), selektiven und indizierten Prävention (Violence Prevention Network) sowie die Dachorganisation der zivilgesellschaftlichen Akteure des Themenbereichs (Bundesarbeitsgemeinschaft religiös begründeter Extremismus). Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend fördert in den Bereichen Demokratieförderung, Vielfaltsgestaltung und Extremismusprävention auf Bundesebene dieses Kompetenznetzwerk. 

KN:IX versteht sich als Plattform für den Austausch und Transfer von Expertise unter: 

  • Präventionsakteur*innen aus zivilgesellschaftlichen Trägern, öffentlichen Einrichtungen, Modellprojektträgern, Landesdemokratiezentren
  • Repräsentant*innen von Regelstrukturen in Schule, Jugendhilfe, Strafvollzug oder von Sicherheitsbehörden
  • Vertreter*innen aus Politik und Verwaltung in Bund, Ländern und Kommunen


Das Ziel des KN:IX Projekts ist die Vermittlung von Hintergrundwissen zur Organisation des ISPK sowie die Sensibilisierung von Präventionsakteuren und der Fachöffentlichkeit für deren Bedeutung. Im Projekt werden folgende Aspekte beleuchtet:

1.     Aktuelle Gefährdung durch ISPK
2.     Namensgebung & Entstehung als IS-Ableger 
3.     Ausdehnung des Einflussgebietes
4.     ISPK’s Ziel & internationale Strategie
5.     Bedrohungslage Europa mit Fokus auf Deutschland
6.     Europa & Deutschland in ISPK-Propaganda 
7.     Weiteres Entwicklungspotential