Iranische Schläferzellen: Wie groß ist die Gefahr in Bayern?
Bayerischer Rundfunk, München, 7. März 2026
Interview mit Joseph Röhmel über das aktuelle Anschlagsrisiko, iranische Regimekräfte und verbündete Gruppen wie die Hisbollah sowie deren operative Netzwerke in Deutschland.
Wegen der Angriffe auf den Iran wächst in Deutschland die Sorge vor möglichen Anschlägen. Experten warnen vor verdeckten Netzwerken des Regimes – mit Spuren auch nach Bayern. Sicherheitsbehörden beobachten Spionage, Proxys und Schläfer. Aufgrund der Luftschläge der USA und Israels auf Ziele im Iran wächst auch in Deutschland die Sorge vor möglichen Reaktionen des Regimes. Sicherheitsbehörden und Experten halten es für denkbar, dass Teheran auf bestehende Netzwerke in Europa zurückgreifen könnte.
Im Sommer 2024 hatte das Bundesinnenministerium das "Islamische Zentrum Hamburg" verboten. Nach Einschätzung der Behörden fungierte die Moschee als Auslandsvertretung des iranischen Staates und verbreitete dessen autoritär-theokratische Ideologie in Deutschland. Auch in München befand sich eine Filiale der Moschee. Gegen das Verbot klagt das Zentrum derzeit vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig; ein Urteil steht noch aus.
Warum Anschläge in Deutschland drohen könnten
Vor dem Hintergrund der aktuellen Eskalation im Nahen Osten gibt es Warnungen, dass der Iran auch sogenannte Schläferzellen aktivieren könnte. Darunter verstehen Sicherheitsbehörden Menschen, die lange Zeit unauffällig leben, im Ernstfall jedoch für Anschläge oder andere Operationen eingesetzt werden könnten. Wie viele solcher potenziellen Zellen existieren, ist unklar.
Auch direkte Operationen iranischer Geheimdienste im Ausland gelten als möglich. Dabei greifen Teherans Sicherheitsapparate nach Einschätzung von Experten unter anderem auf Einheiten der Revolutionsgarden zurück, etwa die sogenannten Quds-Brigaden, die für Auslandsoperationen zuständig sind. Das Bundesamt für Verfassungsschutz spricht derzeit von einer hohen abstrakten Gefährdung für Einrichtungen in Deutschland, die Israel oder den USA nahestehen.
Der Nahost-Experte Christoph Leonhardt vom Berliner Analyse- und Beratungsunternehmen Middle East Minds findet, das Risiko von Anschlägen sei real. Der Iran stehe mit dem Rücken zur Wand. "Iranische Regimekräfte und verbündete Gruppen wie die schiitische Hisbollah aus dem Libanon sind seit Jahren auch in Deutschland aktiv und verfügen hier über operative Netzwerke", sagt Leonhardt.